Archiv des Autors: Stefan Niethammer

Verantwortung.

Was treibt uns an, Verantwortung für uns und unsere Gesellschaft zu übernehmen?

Es geht einfach darum, zu wissen, was man tut. Zu hinterfragen was andere erzählen. Transparenz herzustellen – und aus dem Handeln heraus Vorreiter zu sein.

In all den Jahren unseres Bestehens haben sich ein paar Punkte für unser Handeln herauskristallisiert:

Die Baumwolle in allen 3FREUNDE-Produkten ist aus zertifizierter Fairtrade-Biobaumwolle. Damit helfen wir dort, wo Armut und Unsicherheit immer noch am größten ist: bei den Bauernfamilien auf dem Land.

Wir achten auch bei der Weiterverarbeitung der Baumwolle auf den höchsten Standard: alle Partner und Prozesse orientieren sich an den Richtlinien des Global Organic Textile Standard, dem Biostandard im Textilbereich.

Damit stellen wir sicher, dass keine giftigen Stoffe an die Haut unserer Kunden gelangt, aber auch nicht in die Umwelt. Das erfreut die Bauern und auch die Menschen die flussabwärts der großen Färbereien wohnen. Und nicht zuletzt unsere Näherinnen und Näher, die keine Hautausschläge von kontaminierten Stoffen bekommen.

Für uns sind langfristige Beziehungen wichtiger als schneller Profit. Wir zahlen ehrliche Preise und haben damit Menschen an Bord, die stolz und mit Freude auf ihre Arbeit schauen. Das merkt man am Stoff, an den Farben, an jeder einzelnen Naht. Ohne zufriedene Mit-Arbeiter könnten unsere Produkte auch nicht eine solche gute Energie ausstrahlen.

Wir wollen es richtig machen: bevor wir faule Kompromisse eingehen, verzichten wir lieber auf die Einführung eines neuen Produktes.

Es liegt in unserer Verantwortung, dass Du bei 3FREUNDE immer das bestmögliche Produkt erhältst: fair, nachhaltig und korrekt.

Damit kannst Du sicher gehen, dass sich unsere Produkte nicht nur auf Deiner Haut gut anfühlen, sondern Dir auch ein gutes Gefühl geben.

Um es auf den Punkt zu bringen: Mit dem Kauf eines unserer Produkte hast Du alles richtig gemacht!

Das war aber nur der Anfang; nimm auch Du Deine Verantwortung wahr: werde 3FREUNDE-Botschafter und erzähle unsere Geschichte. Hilf uns die verrückte Modeindustrie zu verbessern und unterstütze uns als Veränderer!

3FREUNDE – leading by example

Unser Beitritt zum Bündnis für nachhaltige Textilien

Stefan Niethammer übergibt Staatssekretär Thomas Silberhorn die Beitrittserklärung

Stefan Niethammer übergibt Staatssekretär Thomas Silberhorn die Beitrittserklärung

Wir haben lange überlegt und gewartet ob wir dem Bündnis für nachhaltige Textilien beitreten sollen oder nicht.

Die Geschichte fing für uns ja schon in der Vor-Gerd-Müller-Zeit an: im November 2013 fand in Berlin die European Conference on Living Wages statt an der 3FREUNDE ihr Konzept der unternehmerischen Verantwortung und Gründung einer eigenen Näherei einem europäischen Fachpublikum vorstellen durfte.
2014 wurde 3FREUNDE dann für seine Lieferkette mit dem Fairtrade-Award aus der Hand von Entwicklungshilfeminister Gerd Müller ausgezeichnet. Weiterlesen

Berichterstattung die keine ist. Wieso gekaufte Presseartikel schlecht sind.

Diese Woche trudelte mal wieder ein „unwiderstehliches“ Angebot bei uns ein. In der Zeitung „Welt“ soll ein Beileger zum Weltwassertag erscheinen. Freudig lasen wir:„Ich würde mich sehr freuen, in diesem Zusammenhang mit 3FREUNDE als Anbieter Fair Trade-zertifizierter Produkte zusammenzuarbeiten. Ich kann mir sehr gut vorstellen, Sie über einen redaktionell neutralen Gastbeitrag oder eine Produktplatzierung in die Kampagne aufzunehmen und das Thema ‚Fair Trade‘ mit Ihnen zu gestalten.“
Das können wir uns natürlich auch gut vorstellen, schliesslich tauchen wir immer wieder in Zeitschriften auf und neben dem Verkaufen von Fairtrade-zertifizierten Biobasics haben wir ja auch einen missionarischen Auftrag Menschen aufzuklären.
Nicht so gut fanden wir aber, dass wir für diesen „neutralen Gastbeitrag“ regulär fast 4400€, nach Abzug von Rabatten immer noch 2700€ (plus MwSt!) bezahlen sollten. Weiterlesen

Orissa. Staat des weißen Goldes. Pratima. Organisator der Fairtrade-Bauern.

Meine letzte Station in Indien war der Bundesstaat Orissa (oder auch Orisha geschrieben). Es hat mich fast zwei Tage gekostet um im Zentrum des Bundesstaates anzukommen. So abgelegen der Staat ist, so arm ist er auch. Und ja, das ist genau der Staat, der gerade von einem Zyklopen hart getroffen wurde.

Orissa also. Arm. Aber auch reich. Reich an Menschen.

Eine Vielzahl der Bewohner verlässt den Staat um Arbeit in anderen Bundesstaaten Indien zu finden. Zurück kommen sie allerhöchstens zur Erntezeit der Baumwolle. Diese beginnt im November und endet im April.Fünf Monate Arbeit also. Maximal. Wer zurückbleibt sind die Bauern.  Bei Pratima sind ca. 2000 Bauern organisiert. Diese bewirtschaften im Schnitt 1,5ha Land und ernähren damit direkt jeweils vier bis sechs Menschen.

Baumwolle ist ein sogenanntes Cash-Crop, eine Pflanze, die Geld bringt und nicht der direkten Ernährung dient.  Von den 1,5ha werden ca. die Hälfte der Fläche mit Lebensmitteln, in tiefer gelegenen Feldern vor allem Reis, bewirtschaftet. Die andere Hälfte wird in Fruchtfolge mit Baumwolle angebaut. Durch den Einsatz von Biobaumwolle hat der Bauer die Möglichkeit außer Baumwolle auch sogenannte Insurance-Crop anzubauen: in den Baumwollfeldern stehen nicht nur Baumwollpflanzen, sondern auch andere Geldbringer. So ist sichergestellt, dass im Falle eines Ertragsausfalls bei Baumwolle durch andere Pflanzen noch Geld erwirtschaftet werden kann.

Baumwolle also. Das Interessante an Orissa ist, dass der Staat (trotz viefältiger, bekannt gewordener, Bestechungen) den Einsatz von genmodifizierter Baumwolle verboten hat. Entgegen der Aussage von Michael von Shatki Knitting ist so also die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Biobaumwolle frei von GMO-Cotton ist. Der Hintergrund des Verbots ist einfach: für GMO-Cotton wird sehr viel Wasser und somit eine künstliche Bewässerung benötigt. Ganz Orissa ist aber auf Regenwasser eingestellt. Eine Umstellung hätte fatale Konsequenzen für den Grundwasserspiegel und die Erhaltung der Fruchtbarkeit der Böden.

Fairtrade. 2000 Bauern. Und die Frauen?

Pravakar erläutert, dass mangelnde Bildung ein großes Problem für die Entwicklung des ländlichen Raums darstellt. Nachdem Pratima festgestellt hat, dass in den meisten Familien die Frauen mehr Zeit auf den Feldern verbrachten als die Männer, setzen sie verstärkt auf die Frauen. Denn diese haben einen höheren Identifikationsgrad bzgl. Fairtrade, verstehen das Konzept von Biobaumwolle besser und sind insgesamt verlässlicher und verbindlicher.  Ich konnte bei meinem Besuch in zwei Dörfern diese Erfahrung machen: die Frauen stehen auf uns haben keine Scheu Forderungen zu stellen und für ihre Positionen aufzustehen. Versammlungsräume, höhere Baumwollpreise und bessere Lehrer stehen auf ihrer Agenda. Ein von mir besuchtes Dorf unter weiblicher Leitung hat sogar einen Fond eingerichtet in den Teile der Baumwolleinnahmen fließen um so Projekte von Einzelnen zu finanzieren. So entstand bspw. als zusätzliche Einnahmequelle eine Bananenplantage.

Es sind mutige Frauen, die sich dort einsetzen und Pravakar sagt, dass er sich mehr von ihnen wünschen würde, dass aber manche Dörfer noch komplett von Männern dominiert werden. Aber der Wandel zeichnet sich ab, sind die Bäuerinnen doch die erfolgreicheren. Der Vorteil von zertifizierter Fairtrade-Biobaumwolle für die Bauern vor Ort ist ja, dass diese einen Mindestpreis für die Baumwolle bekommen und so ein garantiertes Auskommen haben. Ist der Marktpreis höher als der Mindestpreis bekommen sie natürlich den höheren Preis ausgezahlt.  Zusätzlich bekommt die Gemeinschaft pro Kilogramm Rohbaumwolle 0,05€ als Fairtrade-Prämie. Mit dieser Prämie können Gemschaftsprojekte finanziert werden, welche von der Dorfgemeinschaft gemeinsam festgelegt werden müssen. In einem regenreichen Staat wie Orissa steht oft der Wunsch nach Gemeinschaftsräumen an oberster Stelle. Bei guten Erträgen und einem entsprechend guten Abverkauf der Baumwolle dauert es gut drei Jahre um über die Prämie eine einfache Unterkunft bauen zu können. Beim Bau wird dann darauf geachtet, dass die verwendeten Baumaterialien ebenfalls aus der Region kommen um das Geld möglichst in der Region zu behalten und so den Wohlstand zu mehren.

Während viele Näher ein eigenes Motorrad haben, ist dies bei den Bauern nicht denkbar. Sie erlösen im Schnitt 60000Rs (720€ zur Zeit) von der Baumwolle und können von den zusätzlich angebauten Lebensmitteln ihr Grundauskommen sichern. Große Budgetposten sind die medizinische Versorgung, die Vorbereitung der Äcker und sog. soziale Kosten: zahlreiche Hochzeiten, religiöse Feste etc. fordern hohe Beträge.

Pratima, Pravakar und die Bauern zeigen sich insgesamt glücklich mit dem System „Fairtrade“ und wünschen sich natürlich, möglichst viel Baumwolle als solche verkaufen zu können. Nur so ist eine nachhaltige und stabile Entwicklung der Region möglich. Und von den Fairtrade-Prämien profitieren auch die Dorfbewohner, die nicht Teil des Fairtrade-Systems sind.

Ich verlasse Dörfer mit viel positiver Energie. Und mit neuen Ideen. Wieso nicht T-Shirt-Editionen auflegen, die die Bauern schneller zu ihren Gemeinschaftshäusern kommen lässt? Was hältst Du davon?

Mila. Indien. Und der Rest. Ein Überblick.

Derzeit besucht Stefan unsere Näherei in Indien und verschiedene unserer Zulieferer. Heute gibt es einen kleinen Überblick über die Erlebnisse der ersten Woche. Über die nächsten Wochen gibt es tiefergehende Infos zu den jeweiligen Aspekten.

In der ersten Woche besuchte ich unsere Partner in der Region Tirupur. Hier, in Velampalayam, ist auch „unsere“ Näherei, die Mila Fair Trade Clothing Company Pvt. Ltd. beheimatet.
Mittlerweile stehen dort 22 Nähmaschinen und auch das Lager mit bevorrateten Stoffen wächst beständig.
Da wir aber (gefühlt) immer noch am Anfang stehen, können wir permanent nur 7 Menschen auslasten und fest anstellen. Dies gibt einerseits ein gutes Gefühl, andererseits würden wir uns natürlich eine höhere Auslastung wünschen. Dies wiederum würde voraussetzen, dass mehr Menschen Produkte aus Fairtrade-zertifizierter Biobaumwolle kaufen.

Girish ist unser Mann vor Ort. Seit seiner Zeit als unser Einkäufer (3friends India) ist er unser Gesicht und unsere Stimme in Indien. Entsprechend wichtig ist hier der persönliche Austausch. Neben Gesprächen über die alltäglichen Probleme und Herausforderungen standen für Girish und mich die Abfallreduktion auf der Tagesordnung:
beim Zuschnitt des Stoffes fallen immer Stoffreste an, für deren weitere Verwendung wir sinnvolle Produktideen überlegten. Normalerweise gehen all diese Stoffreste an Recyclingbetriebe, die für ein KG Stoffrest ca. 12ct bezahlen. Sehr wenig für solch einen guten Stoff und nicht nachhaltig genug. Aus größeren Teilen kann man Kleinstkindershirts etc. fertigen, aber bei Stoffgrößen im DINA4-Format wird das schwieriger. Nun, wir arbeiten daran- seid gespannt!

Gemeinsam mit Girish besuchte ich auch Michael, den Marketing-Direktor von Shakthi-Knitting. Diese Firma ist in unserem Prozess für das Stricken des Stoffes und dem anschliessenden Färben verantwortlich.

Auf solchen Maschinen wird der Stoff für die Shirts von 3FREUNDE gestrickt

Michael berichtete u.a. das es heutzutage praktisch unmöglich sei, „reine“ Biobaumwolle zu finden, denn die genmodifizierten Baumwollpflanzen sind mittlerweile auf so vielen Feldern zu finden, dass eine Kontamination der Biobaumwolle durch Pollenflug etc. kaum zu vermeiden ist. Er berichtet aber auch, dass in Indien NGOs verstärkt auf diese Gefahren (v.a. auch im Bereich der Lebensmittel) hinweisen und es Bestrebungen gibt, die genmodifizierten Pflanzen zurückzudrängen. Diese Bestrebungen werden aber nicht von der Regierung unterstützt, somit scheinen mir positive Effekte zweifelhaft.
Angesprochen auf sogenannte Cotton Blends (Baumwollmischungen von Biobaumwolle und konventioneller Baumwolle) schmunzelte er und meinte, dass das für die Anbieter solcher Produkte ideal ist. Zum Einen verstehen die wenigsten, was mit „Blend“ gemeint ist und zum Anderen kann niemand anklagen, dass „konventionelle“ Baumwolle (bzw. Rückstände aus deren Produktion) im Produkt gefunden wird. Obendrein sind sie bedeutend günstiger und schmücken sich dennoch mit „organic“.

Nächste Station war die Färberei von Shatki Knitting.
Die Färberei wird von Jayakumar geleitet. Sein Assistent nahm sich die Zeit uns durch die Anlage zu führen. Die Färberei setzt ausschliesslich GOTS-zertifizierte Farbstoffe ein, auch wenn große Teile der Stoffe aus konventioneller Baumwolle stammen. Dies ist eine strategische Entscheidung – man möchte einfach „saubere“ Produkte anbieten und hoffe, dass Kunden und Konsumenten dies honorieren. Da sich die wenigsten Menschen aber Gedanken über diesen Teil des Produktionsprozesses machen, kämpft man immer noch gegen Konkurrenz, die Abwässer ungeklärt in Flüsse einleiten.

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Die Färberei verbraucht pro Tag gut 400.000 Liter Wasser. Davon sind 70% Waschwasser und 30% das deutlich problematischere Färbewasser.
Ca 90-95% der Abwässer wird wieder dem Färbeprozess zugeführt.
Die in der Kläranlage anfallenden Feststoffe gehen teilweise an Zementwerke.
Es ist klar, dass eine solch aufwändige Reinigung natürlich mit Kosten verursacht sind, die andere Firmen vermeiden.
Die Kläranlage wurde in der Erwartung gebaut, dass ökologische Kriterien stärker in den

Fokus von Kunden und Konsumenten geraten und so ein Wettbewerbsvorteil entsteht. Diese Erwartung hat sich bis heute nicht erfüllt.

Besucht habe ich, gemeinsam mit Girish, auch noch unseren Druckpartner, Stylus Printers. Krishna Kumar, der Inhaber zeigte uns seine aktuellen Projekte. Unser letzter Auftrag wurde nur einen Tag vor meiner Ankunft gedruckt, so dass ich hier keine Bilder mit „unseren“ Drucken machen konnte.
Stylus Printers druckt sowohl von Hand wie auch mit „normalen“ Karusell-Druckmaschinen. Die verwendeten Druckfarben sind allesamt GOTS-zertifiziert. Die Spezialisierung führt viele Kunden der Bio-Fairtrade-Szene zu ihm, so bspw. bei meiner Anwesenheit Stella McCarthy.
Mittlerweile kommt Stylus immer öfter an seine Kapazitätsgrenzen. Allerdings scheut er auch die Investition in weitere Anlagen. Er meint, dass auch in der Bio-Szene die Kunden nicht auf verlässliche Partnerschaften setzten, sondern schnell in andere Regionen abwandern.
Um so wichtiger ist, dass Kunden nachfragen, wo ihre Produkte herkommen und nachfragen, wieso es hier womöglich öfters Wechsel bei den Lieferanten gibt. Denn ohne verbindliche, langfristige Lieferbeziehungen wird es keine Weiterentwicklung geben.

Und nun geht es weiter nach Odhisa, einem der ärmsten Landstriche Indiens. Hier wollen wir mit unserem Einkauf von Baumwolle ein Zeichen setzen. Über den Besuch freut sich die Kooperative und der Vorsteher meinte, dass es den Bauern auch immer einen Schub gäbe wenn mal jemand vorbei schaut. Kein Wunder, dauert die Anreise fast zwei Tage…

Atom- und Dieselstrom im Bio-T-Shirt?

Maschine zur Fertigung von Single-Jersey-Baumwoll-Stoff

Vor einigen Wochen war es auch bei uns zu lesen: in Indien waren Teile der Bevölkerung ohne Strom. Solche großen Stromausfälle schaffen es in die internationale Presse, von den alltäglichen Problemen erfährt man aber nichts. So sind über die letzten 10 Monate tägliche Stromabschaltungen von bis zu 15 Stunden im Süden Indiens zur Normalität geworden.

Die Konsequenz daraus sind Arbeitsunterbrechungen bzw. der intensive Einsatz von Dieselgeneratoren für die Stromerzeugung. Denn auch die Produktion von Textilien braucht Strom. Viel Strom.

Jedoch naht Abhilfe: zwei neue Atomkraftwerke sollen bis nächstes Jahr ihren Betrieb aufnehmen (hier darf jetzt leichtes Frösteln einsetzen). Für die Bewohner Süd- und Mittelindiens ist dies eine gute Nachricht: endlich verlässlicheren Strom, endlich wieder Arbeit. Für die Bewohner in nächster Nähe des Atomkraftwerks, für viele NGOs und vermutlich auch für viele Leser dieses Blogs ist es aber eine schlechte Nachricht: passiert hier die nächste große Katastrophe? Wohin mit dem zusätzlichen Atommüll?

Hier beginnt dann das Dilemma von Informationen, die man besser nicht hätte: soll man es nun gut finden, wenn endlich die Dieselgeneratoren abgestellt sind, die Erzeugerkosten durch Atomstrom sinken und wieder Arbeit und Einkommen nach Südindien zurückkehren können? Oder sollte man besorgt sein und sich von Indien abwenden, weil es nun auch Atomkraft verwendet, die zwangsläufig auch für die Produktion von bio-fairen T-Shirts verwendet wird? Wie soll man sich positionieren?

Komplexe Fragestellungen rufen oftmals einfache Antworten hervor: Windkraftanlagen aufbauen (super fürs Marketing, aber unrealistisch für die gesamte Produktionskette), oder zurück nach Europa oder gar Deutschland- schließlich können wir dort regenerative Energie für die Näherei buchen. Das stimmt. Aber leider wird die weitaus meiste Energie nicht beim Nähen, sondern beim Spinnen der Baumwolle verbraucht (und den nachfolgenden Prozessen Stricken/Weben des Stoffs sowie Färben). Und diese industriellen Prozesse kann man eben nicht beeinflussen. Zumindest nicht, wenn man zu klein ist um eine eigene Spinnerei etc. auslasten zu können. Wie also weitermachen?

Für mich zeigt das Thema Strom sehr gut, dass in einem so komplexen Bereich wie der Textilproduktion nicht alles nach ökologischen Gesichtspunkten zu optimieren ist. In manchen Bereichen gelingt dies sehr gut. Ein Beispiel ist hier der konsequente Einsatz von Biobaumwolle (und dem nachfolgenden Färben und drucken mit GOTS-zertifizierten Farbstoffen). In Fragen der Energieversorgung oder auch des Transports bestehen hingegen Abhängigkeiten von regionalen Infrastrukturen auf die kleine und selbst größere Produzenten keinen Einfluss haben. Bei 3Freunde hinterfragen wir dennoch regelmäßig jeden Prozess-Schritt, ob Verbesserungen nicht doch möglich sind und wie man diese bestenfalls erreicht. In Indien lassen ja sehr viele Marken mit ökologischem Hintergrund ihre Ware produzieren. Eventuell gäbe es da ja Möglichkeiten über eine Zusammenarbeit und über die Bündelung der Aufträge hin zu einem Anbieter eine ökologischere, dezentrale Stromversorgung aufzubauen bzw. zu co-finanzieren. Eine Idee, an der man weiter arbeiten sollte.

Links zum Thema:

Atomkraft – Diskussionen in Tamil Nadu

Ausnahmegenehmigungen um Stromausfällen zu begegnen

Proteste gegen Stromausfälle

Dieser Artikel wurde erstmals im Blog Grüne Mode am 28.09.2012 auf www.kirstenbrodde.de veröffentlicht.

Anspruch und Wirklichkeit bei Transparenz und Fairness. Vergleich von Fairtrade und FairWear.

Fairer Handel hat viele Facetten und es gibt nur wenige Produkte, bei denen so viele Teilaspekte zu berücksichtigen sind, wie bei Baumwolle und den daraus produzierten Artikeln. Der Grund für die Vielschichtigkeit ist einfach: anders als bei Kaffee gibt es bei der Baumwolle eine Vielzahl von Wertschöpfungsstufen: von der Rohbaumwolle, über das Entkörnen und Spinnen bis hin zu Färben und Konfektion sind eine Vielzahl von Menschen eingebunden.

Die Fairtrade-Verfechter

Verschiedene NGO (Nichtregierungsorganisationen) haben sich zum Ziel gesetzt, die Produktion von Textilien fairer zu gestalten. Stichwörter sind hier Mindestpreise (Fairtrade Labeling Organisations FLO) und Living wage (Kampagne für saubere Kleidung/CleanClothesCampaign CCC). Leider setzen die genannten Organisationen an verschiedenen Punkten an, ohne die gesamte Kette zu betrachten. Weiterlesen

Indien. Textilien. Produktion. Living Wage. Fair Trade.

Auf der Suche nach einem möglichen Produktionsraum. Mit Notausgang!Ich muss ein wenig ausholen. Seit gut sechs Jahren produzieren wir T-Shirts und andere Oberbekleidung. In dieser Zeit haben wir einige Lernprozesse durchgemacht und verarbeiten seit 2010 ausschliesslich zertifizierte Fairtrade-Biobaumwolle für unsere 3FREUNDE-Produkte.

In all der Zeit kamen wir mit vielen anderen Labels, Designern, Verbänden und NGO ins Gespräch – und bei vielen zeigte sich der Wunsch auf eine sichere, vertrauenswürdige und funktionierende Wertstoffkette zurückgreifen zu können. Fairtrade sollte nicht bei den Nähereien aufhören (oder erst beginnen), sondern alle großen Stationen der Wertschöpfung umfassen.

Leider können aber kleine Labels (wie wir es auch noch immer sind), keine riesigen Stückzahlen pro Order abnehmen und so stossen wir, aber eben auch viele andere, immer wieder auf taube Ohren, wenn wir eine hohe Qualität in Verbindung mit geringer Stückzahl forderten.

Parallel zu unserer Umstellung auf Fairtrade-Biobaumwolle suchten wir deshalb einen kleinen Partner, der mit uns die Vision teilt, dass aus kleinen Orders und Labels einmal große Orders werden können- und dass man mit kleinen Stückzahlen durchaus auch (relativ kleines) Geld verdienen kann.

Nun, die Suche war bis Ende 2011 nicht erfolgreich.

Dies bewog uns, stärker in das Thema einzusteigen und einfach eine solche Firma (mit) zu gründen. Einfach so. Mit einem klaren Konzept, einer offenen Kommunikation und transparenten Entlohnungsmodellen.

Mittlerweile sind die Vorbereitungen weit gediehen. Wir werden eine Anschubfinanzierung leisten, ein neues Vertriebskonzept auf die Beine stellen und darüber hinaus unsere Ideen zum Fairen Handel einbringen (living wage vs. gesetzlicher Mindestlohn). Und natürlich stellen wir sicher, dass die Näherei GOTS (Global organic textile standard) und Fairtrade-zertifiziert wird.

Die operative Führung obliegt unseren indischen Partnern, schliesslich sind wir nicht die ganze Zeit vor Ort – und benötigen die Kapazität der Näherei auch nicht komplett.

Wer also mit dem Gedanken spielt, seine Kollektion auf Fairtrade-Biobaumwolle umzustellen, neu anzufangen oder einfach was Besonderes für seine Firma, seinen Verband oder Freundeskreis braucht, ist herzlich eingeladen sich bei uns zu melden!

Wir regeln alles weitere.

Stefan

Notausgänge

Seit vielen Monaten planen wir nun schon die Errichtung einer eigenen Produktion (Näherei) in Indien. Um präzise zu sein: wir planen  mit Partnern vor Ort eine solche aufzuziehen. Im Grunde möchten wir lediglich sicherstellen, dass es die Möglichkeit gibt, schon kleine Stückzahlen zu beziehen um noch mehr Menschen und auch andere Labels glücklich zu machen.

Die Eckpfosten sind nun eingerammt und eigentlich könnte auch alles seinen Weg gehen- nur leider finden wir zur Zeit keine passenden Räumlichkeiten. Räume in der gewünschten Größe gäbe es ja genug, nur leider haben die keine ausreichende Beleuchtung und vor allem keine Notausgänge! Und ohne Notausgänge gibt es keine Genehmigung von staatlicher Seite. Somit suchen wir nun weiter nach Räumlichkeiten, die bezahlbar sind und einen Notausgang haben.

Mehr dazu in Kürze!

Hoodies – exklusiv zum Heldenmarkt

Hoodie aus zertifizierter Fairtrade-Biobaumwolle3FREUNDE Hoodie aus zertifizierter Fairtrade-BiobaumwolleWir sind am 19. und 20. November 2011 auf dem Heldenmarkt in Berlin. Aus diesem Anlass hat Janós zwei Designs gezeichnet, die es erst einmal exklusiv dort zu kaufen gibt. Selbstverständlich haben wir auch Shirts mit dabei um dieses Motiv in allen möglichen Varianten anbieten zu können.

Und ja, alle, die nicht zum Heldenmarkt kommen können, finden das Motiv ab dem 23. November auch in unserem Webshop.

Wie schon bei unseren Shirts sind die Hoodies aus 100% zertifizierter Fairtrade-Biobaumwolle, klimaneutral mit myclimate.