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Kann ich das Shirt auch in einer anderen Farbe haben?

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Als ich vor über zwei Jahren bei 3FREUNDE zu arbeiten anfing, hatte ich vom Färbeprozess folgende Vorstellung: Männer stampfen in Färbebrühe und Stoff. Dabei war meine Hoffnung, dass bei der Färberei die für 3FREUNDE arbeitet die Leute wenigstens Gummistiefel tragen. So wenig Ahnung hatte ich von alldem.

Dieses Bild war und ist natürlich gänzlich falsch, denn gerade im Fairtrade-Bio-Bereich sind die Färbeprozesse schon sehr lange industrialisiert. Ich sah Bilder aus der Färberei. Riesige Waschmaschinen die Kiloweisestoff stundenlang hin und her walken bis dieser die richtige Farbe bekommen hat. Aber auch das entspricht in seiner Einfachheit nicht der Realität, wie ich jetzt bei einem Besuch beim Färbedepartment Colorsburg von Shakthi Knitting in Tiruppur feststellen durfte. Hier werden auch die Stoffe für 3FREUNDE gefärbt.

Das Erdgeschoss der riesigen Halle wird dominiert von Stoffballen. Diese werden in der Reihenfolge des Eingangs bearbeitet. Zuerst werden die 20kg schweren Stoffballen so lange zusammengeführt, bis sie das Färbegewicht erreicht haben. Für die kleinste Maschine sind dies 180kg. In die größte Maschine passt etwa eine Tonne Stoff.

Bevor jedoch der eigentliche Färbeprozess beginnt muss die richtige Farbe gefunden und gemischt werden. Meist schreibt der Auftraggeber eine Farbe aus dem Pantone-Farbsystem vor. Um diesen zu spezifizieren werden im Labor sogenannte Lab Dips angefertigt. Farbmuster die dann als physische Abnahmemuster dienen. Dies geschieht in einer Maschine die dazu bis auf 0,05 ml genau Chemikalien mischen kann. Ist die richtige Rezeptur gefunden und der Kunde zufrieden beginnt der Färbemeister mit der Mischung der Farbe und dem Färben des Stoffes. Hierbei werden nur Farb- und Zusatzstoffe verwendet die nach dem Global Organic Textile Standard (GOTS) zugelassen sind.

Dieser Prozess dauert 6 Stunden, die Maschinen laufen 24 Stunden an 6 Tagen die Woche. Dafür werden große Mengen Wasser gebraucht die später ordentlich entsorgt werden müssen. Im indischen Bundesstaat Tamil Nadu gilt eine „Zero Liquid Discharge“-Regelung, kein Tropfen Wasser darf die Anlage verlassen. Dazu später mehr.

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Nach dem Färben wird der Stoff getrocknet und geglättet, zuvor muss aber festgestellt werden, ob der Stoff die richtige Farbe angenommen hat. Der Farbtest im dafür vorgesehen Labor statt. Einzelnen Streifen werden unter kontrollierten Lichtbedingungen überprüft. Verschieden Waschmaschinen und andere Gerätschaften simulieren Wasch- und Tragebedingungen. Erst wenn diese Werte passen wird der Stoff für die Kunden verpackt und ausgeliefert.

Nun also zum Wasser. Direkt neben der Färbeeinheit befindet sich ein erst 12 Jahre altes Klärwerk. Getrennt nach dem Verschmutzungsgrad wird hier das Wasser von 7 Unternehmen eingeleitet. Ein biologisches Reinigungsverfahren reinigt das Färbewasser vor ehe es in die chemische Reinigung gelangt.

Die Anlage wirkt auf mich als Klärwasserleihe sehr imposant. In diversen Becken werden mit Zugabe von Enzymen und Chemikalien Reinheitsgrade erreicht, die den Werksleiter dazu veranlassten vor meinen Augen einen Schluck des Wasseroutputs zu trinken. Soweit wollte ich dann doch nicht gehen, aber theoretisch ist es möglich.

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Die größte Problematik ist jedoch der Salzgehalt des Wassers. Um den Färbeprozess erst möglich zu machen und zu beschleunigen wird dem Wasser vor dem Färben Salz zugesetzt. Dieses muss ihm später wieder entzogen werden. Dazu gibt es eine große Entsalzungsanlage. In der Trockenzeit und bei geringer Auslastung geschieht dies in großen Verdunstungsbecken, ansonsten auch in einem Verdampufungskessel der mit Holz befeuert wird.

Hier ist das größte Verbesserungspotenzial, sagte auch der Betriebsleiter von Shakthi Knitting beim anschließenden Gespräch. Er präsentierte die Möglichkeit des salzlosen Färbens. Dabei entstehen zwar im Färbeprozess zusätzliche Kosten, diese werden aber  durch den geringeren Aufwand bei der Abwasseraufbereitung beinahe wieder eingespart. Es bleiben Mehrkosten von etwa 10ct pro fertigem Shirt. Wir beschlossen über ein solches Projekt im Gespräch zu bleiben.

Insgesamt war ich wirklich beeindruckt vom technischen Aufwand des Färbeprozesses und der Abwasserreinigung. Dies hat nichts mit den Bildern zu tun die ich ursprünglich dazu im Kopf hatte. Nun gilt es zu schauen, welche Verbesserungspotenziale genutzt werden können und wie diese finanzierbar sind. Ich jedenfalls werde ab jetzt immer die Anlage und die Menschen die dort arbeiten im Kopf haben, wenn ich ein farbiges T-Shirt anziehe.

Hier noch mehr Bilder in der Facebook Bildergalerie: http://on.fb.me/1g2jTLK

Mila. Indien. Und der Rest. Ein Überblick.

Derzeit besucht Stefan unsere Näherei in Indien und verschiedene unserer Zulieferer. Heute gibt es einen kleinen Überblick über die Erlebnisse der ersten Woche. Über die nächsten Wochen gibt es tiefergehende Infos zu den jeweiligen Aspekten.

In der ersten Woche besuchte ich unsere Partner in der Region Tirupur. Hier, in Velampalayam, ist auch „unsere“ Näherei, die Mila Fair Trade Clothing Company Pvt. Ltd. beheimatet.
Mittlerweile stehen dort 22 Nähmaschinen und auch das Lager mit bevorrateten Stoffen wächst beständig.
Da wir aber (gefühlt) immer noch am Anfang stehen, können wir permanent nur 7 Menschen auslasten und fest anstellen. Dies gibt einerseits ein gutes Gefühl, andererseits würden wir uns natürlich eine höhere Auslastung wünschen. Dies wiederum würde voraussetzen, dass mehr Menschen Produkte aus Fairtrade-zertifizierter Biobaumwolle kaufen.

Girish ist unser Mann vor Ort. Seit seiner Zeit als unser Einkäufer (3friends India) ist er unser Gesicht und unsere Stimme in Indien. Entsprechend wichtig ist hier der persönliche Austausch. Neben Gesprächen über die alltäglichen Probleme und Herausforderungen standen für Girish und mich die Abfallreduktion auf der Tagesordnung:
beim Zuschnitt des Stoffes fallen immer Stoffreste an, für deren weitere Verwendung wir sinnvolle Produktideen überlegten. Normalerweise gehen all diese Stoffreste an Recyclingbetriebe, die für ein KG Stoffrest ca. 12ct bezahlen. Sehr wenig für solch einen guten Stoff und nicht nachhaltig genug. Aus größeren Teilen kann man Kleinstkindershirts etc. fertigen, aber bei Stoffgrößen im DINA4-Format wird das schwieriger. Nun, wir arbeiten daran- seid gespannt!

Gemeinsam mit Girish besuchte ich auch Michael, den Marketing-Direktor von Shakthi-Knitting. Diese Firma ist in unserem Prozess für das Stricken des Stoffes und dem anschliessenden Färben verantwortlich.

Auf solchen Maschinen wird der Stoff für die Shirts von 3FREUNDE gestrickt

Michael berichtete u.a. das es heutzutage praktisch unmöglich sei, „reine“ Biobaumwolle zu finden, denn die genmodifizierten Baumwollpflanzen sind mittlerweile auf so vielen Feldern zu finden, dass eine Kontamination der Biobaumwolle durch Pollenflug etc. kaum zu vermeiden ist. Er berichtet aber auch, dass in Indien NGOs verstärkt auf diese Gefahren (v.a. auch im Bereich der Lebensmittel) hinweisen und es Bestrebungen gibt, die genmodifizierten Pflanzen zurückzudrängen. Diese Bestrebungen werden aber nicht von der Regierung unterstützt, somit scheinen mir positive Effekte zweifelhaft.
Angesprochen auf sogenannte Cotton Blends (Baumwollmischungen von Biobaumwolle und konventioneller Baumwolle) schmunzelte er und meinte, dass das für die Anbieter solcher Produkte ideal ist. Zum Einen verstehen die wenigsten, was mit „Blend“ gemeint ist und zum Anderen kann niemand anklagen, dass „konventionelle“ Baumwolle (bzw. Rückstände aus deren Produktion) im Produkt gefunden wird. Obendrein sind sie bedeutend günstiger und schmücken sich dennoch mit „organic“.

Nächste Station war die Färberei von Shatki Knitting.
Die Färberei wird von Jayakumar geleitet. Sein Assistent nahm sich die Zeit uns durch die Anlage zu führen. Die Färberei setzt ausschliesslich GOTS-zertifizierte Farbstoffe ein, auch wenn große Teile der Stoffe aus konventioneller Baumwolle stammen. Dies ist eine strategische Entscheidung – man möchte einfach „saubere“ Produkte anbieten und hoffe, dass Kunden und Konsumenten dies honorieren. Da sich die wenigsten Menschen aber Gedanken über diesen Teil des Produktionsprozesses machen, kämpft man immer noch gegen Konkurrenz, die Abwässer ungeklärt in Flüsse einleiten.

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Die Färberei verbraucht pro Tag gut 400.000 Liter Wasser. Davon sind 70% Waschwasser und 30% das deutlich problematischere Färbewasser.
Ca 90-95% der Abwässer wird wieder dem Färbeprozess zugeführt.
Die in der Kläranlage anfallenden Feststoffe gehen teilweise an Zementwerke.
Es ist klar, dass eine solch aufwändige Reinigung natürlich mit Kosten verursacht sind, die andere Firmen vermeiden.
Die Kläranlage wurde in der Erwartung gebaut, dass ökologische Kriterien stärker in den

Fokus von Kunden und Konsumenten geraten und so ein Wettbewerbsvorteil entsteht. Diese Erwartung hat sich bis heute nicht erfüllt.

Besucht habe ich, gemeinsam mit Girish, auch noch unseren Druckpartner, Stylus Printers. Krishna Kumar, der Inhaber zeigte uns seine aktuellen Projekte. Unser letzter Auftrag wurde nur einen Tag vor meiner Ankunft gedruckt, so dass ich hier keine Bilder mit „unseren“ Drucken machen konnte.
Stylus Printers druckt sowohl von Hand wie auch mit „normalen“ Karusell-Druckmaschinen. Die verwendeten Druckfarben sind allesamt GOTS-zertifiziert. Die Spezialisierung führt viele Kunden der Bio-Fairtrade-Szene zu ihm, so bspw. bei meiner Anwesenheit Stella McCarthy.
Mittlerweile kommt Stylus immer öfter an seine Kapazitätsgrenzen. Allerdings scheut er auch die Investition in weitere Anlagen. Er meint, dass auch in der Bio-Szene die Kunden nicht auf verlässliche Partnerschaften setzten, sondern schnell in andere Regionen abwandern.
Um so wichtiger ist, dass Kunden nachfragen, wo ihre Produkte herkommen und nachfragen, wieso es hier womöglich öfters Wechsel bei den Lieferanten gibt. Denn ohne verbindliche, langfristige Lieferbeziehungen wird es keine Weiterentwicklung geben.

Und nun geht es weiter nach Odhisa, einem der ärmsten Landstriche Indiens. Hier wollen wir mit unserem Einkauf von Baumwolle ein Zeichen setzen. Über den Besuch freut sich die Kooperative und der Vorsteher meinte, dass es den Bauern auch immer einen Schub gäbe wenn mal jemand vorbei schaut. Kein Wunder, dauert die Anreise fast zwei Tage…

Für unsere kleinen Freunde

Seit längerem denken wir darüber nach Kindershirts aus Fairtrade zertifizierter Biobaumwolle herzustellen und sowohl für größere Aufträge, als auch für Einzelstücke auf Lager zu legen. Wir haben uns entschieden fünf Doppelgrößen zwischen 98/104 und 146/152 anzubieten. Wo wir aber gerne euch als potenzielle Kunden einbinden wollen ist die Auswahl der Farben. Wir haben die neutralen Farben weiß und asphaltgrau ausgewählt und wollen euch in einer Online-Umfrage mitbestimmen lassen, welches die anderen Farben sein sollen.

Zur Umfrage geht es hier.

Also bitte recht zahlreich mitmachen, denn je mehr Feedback wir bekommen, desto genauer wissen wir, was wir produzieren sollen.

 

 

 

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