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Wo jedes Shirt beginnt.

IMG_6055Der Weg zurück zum Ursprung unserer Lieferkette brachte mich die letzten Tage nach Titilagarh in den östlichen Bundesstaat Orissa. Hier produziert die Pratima Organic Grower Group die Fairtrade zertifizierte Biobaumwolle für die Shirts von 3FREUNDE.

Orissa ist ein landwirtschaftlich geprägter Bundesstaat in dem der wirtschaftliche Erfolg sehr vom Monsunregen abhängt. Baumwolle ist für die Bauern oftmals die einzige Geldeinnahmequelle, eine Cash Crop. Wenn der Monsum zu spät kommt, so ist das Wachstum der Baumwolle gefährdet und es bleibt nur der geringe Ertrag aus den Gemüsesorten die später angebaut werden. Dank dem Einsatz von Biobaumwolle ist wenigstens das möglich und eine klassische Fruchtfolge machbar. Auf Feldern mit Baumwolle im konventionellen Anbau wächst durch den Einsatz von Pestiziden nichts als Baumwolle.

Meine Reise startet mitten in der Nacht in Raipur, der nächst größeren Stadt, und führt mich nach 5 Stunden Autofahrt in ein kleines Dorf. Fast alle hier bauen Baumwolle an. Es gibt zwei Anbaugruppen in denen sich die Farmer gegenseitig unterstützen. Die eine besteht aus Frauen das Dorfes, die Andere aus Männern.

Wie Stefan im Bericht seiner Reise vom vergangenen Oktober schon beschrieben hat, sind es vor allem die Frauen die sich trauen zu sagen was sie benötigen. Sie brauchen dabei Unterstützung, dass sie nicht nur vom Regen abhängig sind. Wasser ist hier alles. Alles Gute und alles Schlechte. Im letzten Jahr fiel der Monsun spät, was einen geringeren Ertrag auf den Feldern zur Folge hatte.

IMG_5964Um die Baumwollbauern mit diesem Risiko nicht alleine zu lassen garantiert das Entkörnungsunternehmen Pratima Agro & Paper Pvt Ltd den Bauern die Abnahme der Baumwolle. Mein Begleiter Pati, der dort für die Betreuung der Kooperativen zuständig ist, sagt, dies sei ein wichtiger Schritt die Bauern darin zu bestärken, dass sie mit Fairtrade Biobaumwolle auf dem richtigen Weg sind. Nach ein paar Ernteausfällen kämen diese sonst auf die Idee, dass es vielleicht mit herkömmlicher Baumwolle und robustem Saatgut besser funktionieren könnte. Das kann kurzfristig der Fall sein, aber nach ein paar Jahren ist der Boden ausgelaugt und der Baumwollanbau nicht mehr möglich. Dann muss teurer Kunstdünger die Fruchtbarkeit wieder herstellen. „Es ist ein Weg in die Abhängigkeit und ins verderben“, wie Pati drastisch beschreibt.

Insgesamt wird an die Gemeinschaften der über 3500 Baumwollbäuerinnen und Baumwollbauern pro Jahr eine Fairtrade Prämie von fast 80.000 € ausbezahlt, dafür liefern sie aber auch 4400 Tonnen Baumwolle ins Fairtrade System. Die Anbaufläche dafür sind 45 km2, zum Vergleich: Die Stadt Konstanz hat eine Fläche von 55 km2. „Die Fairtrade Prämie fördert die wichtigste Ressource in dieser Region: den Zusammenhalt der Menschen.“ erklärt Pati. Zeichen dieser Prämien sind Versammlungs- und Lagergebäude, kleine Nähwerkstätten und zum Teil Gesundheitsstationen.

IMG_6075Die Bewohner des zweiten Dorfes das ich an diesem Tage besuche sind sehr stolz auf meinen Besuch. Sie sehen es als Anerkennung ihrer Arbeit, das sich Menschen vom anderen Ende der Welt für ihre Situation interessieren. Ich erzähle Ihnen, dass wir versuchen den Menschen in Europa klar zu machen, dass ihre Konsumentscheidungen Folgen haben. In diesem Fall positive Folgen für die Bauern in Jhikidunguri, dem Dorf in dem ich mich befinde.

Das erinnert mich an den Grund meines Besuchs und des Wirtschaftens von 3FREUNDE: Die globale Dimension der Textilindustrie aufzuzeigen und auf Augenhöhe durch Handel die Welt zum Positiven verändern. Ich erkläre ihnen, dass es ohne ihre Arbeit meine Arbeit nicht gäbe.

Es ist ein kleiner Schritt für dich ein T-Shirt aus Fairtrade zertifizierter Biobaumwolle zu kaufen, aber es kann die Welt für einen Baumwollbauern bedeuten.

Es ist schon unglaublich zu sehen, welchen Unterschied der Kauf eines T-Shirts aus zertifizierter Fairtrade-Biobaumwolle machen kann. Und wie sehr es mich doch wieder überrascht, wie viele Menschen in den Entstehungsprozess eines T-Shirts eingebunden sind.

Wir machen den Unterschied: für die Bauern, die Färber und Näher und vor allem auch die Umwelt.  Das macht mich stolz.

Kann ich das Shirt auch in einer anderen Farbe haben?

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Als ich vor über zwei Jahren bei 3FREUNDE zu arbeiten anfing, hatte ich vom Färbeprozess folgende Vorstellung: Männer stampfen in Färbebrühe und Stoff. Dabei war meine Hoffnung, dass bei der Färberei die für 3FREUNDE arbeitet die Leute wenigstens Gummistiefel tragen. So wenig Ahnung hatte ich von alldem.

Dieses Bild war und ist natürlich gänzlich falsch, denn gerade im Fairtrade-Bio-Bereich sind die Färbeprozesse schon sehr lange industrialisiert. Ich sah Bilder aus der Färberei. Riesige Waschmaschinen die Kiloweisestoff stundenlang hin und her walken bis dieser die richtige Farbe bekommen hat. Aber auch das entspricht in seiner Einfachheit nicht der Realität, wie ich jetzt bei einem Besuch beim Färbedepartment Colorsburg von Shakthi Knitting in Tiruppur feststellen durfte. Hier werden auch die Stoffe für 3FREUNDE gefärbt.

Das Erdgeschoss der riesigen Halle wird dominiert von Stoffballen. Diese werden in der Reihenfolge des Eingangs bearbeitet. Zuerst werden die 20kg schweren Stoffballen so lange zusammengeführt, bis sie das Färbegewicht erreicht haben. Für die kleinste Maschine sind dies 180kg. In die größte Maschine passt etwa eine Tonne Stoff.

Bevor jedoch der eigentliche Färbeprozess beginnt muss die richtige Farbe gefunden und gemischt werden. Meist schreibt der Auftraggeber eine Farbe aus dem Pantone-Farbsystem vor. Um diesen zu spezifizieren werden im Labor sogenannte Lab Dips angefertigt. Farbmuster die dann als physische Abnahmemuster dienen. Dies geschieht in einer Maschine die dazu bis auf 0,05 ml genau Chemikalien mischen kann. Ist die richtige Rezeptur gefunden und der Kunde zufrieden beginnt der Färbemeister mit der Mischung der Farbe und dem Färben des Stoffes. Hierbei werden nur Farb- und Zusatzstoffe verwendet die nach dem Global Organic Textile Standard (GOTS) zugelassen sind.

Dieser Prozess dauert 6 Stunden, die Maschinen laufen 24 Stunden an 6 Tagen die Woche. Dafür werden große Mengen Wasser gebraucht die später ordentlich entsorgt werden müssen. Im indischen Bundesstaat Tamil Nadu gilt eine „Zero Liquid Discharge“-Regelung, kein Tropfen Wasser darf die Anlage verlassen. Dazu später mehr.

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Nach dem Färben wird der Stoff getrocknet und geglättet, zuvor muss aber festgestellt werden, ob der Stoff die richtige Farbe angenommen hat. Der Farbtest im dafür vorgesehen Labor statt. Einzelnen Streifen werden unter kontrollierten Lichtbedingungen überprüft. Verschieden Waschmaschinen und andere Gerätschaften simulieren Wasch- und Tragebedingungen. Erst wenn diese Werte passen wird der Stoff für die Kunden verpackt und ausgeliefert.

Nun also zum Wasser. Direkt neben der Färbeeinheit befindet sich ein erst 12 Jahre altes Klärwerk. Getrennt nach dem Verschmutzungsgrad wird hier das Wasser von 7 Unternehmen eingeleitet. Ein biologisches Reinigungsverfahren reinigt das Färbewasser vor ehe es in die chemische Reinigung gelangt.

Die Anlage wirkt auf mich als Klärwasserleihe sehr imposant. In diversen Becken werden mit Zugabe von Enzymen und Chemikalien Reinheitsgrade erreicht, die den Werksleiter dazu veranlassten vor meinen Augen einen Schluck des Wasseroutputs zu trinken. Soweit wollte ich dann doch nicht gehen, aber theoretisch ist es möglich.

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Die größte Problematik ist jedoch der Salzgehalt des Wassers. Um den Färbeprozess erst möglich zu machen und zu beschleunigen wird dem Wasser vor dem Färben Salz zugesetzt. Dieses muss ihm später wieder entzogen werden. Dazu gibt es eine große Entsalzungsanlage. In der Trockenzeit und bei geringer Auslastung geschieht dies in großen Verdunstungsbecken, ansonsten auch in einem Verdampufungskessel der mit Holz befeuert wird.

Hier ist das größte Verbesserungspotenzial, sagte auch der Betriebsleiter von Shakthi Knitting beim anschließenden Gespräch. Er präsentierte die Möglichkeit des salzlosen Färbens. Dabei entstehen zwar im Färbeprozess zusätzliche Kosten, diese werden aber  durch den geringeren Aufwand bei der Abwasseraufbereitung beinahe wieder eingespart. Es bleiben Mehrkosten von etwa 10ct pro fertigem Shirt. Wir beschlossen über ein solches Projekt im Gespräch zu bleiben.

Insgesamt war ich wirklich beeindruckt vom technischen Aufwand des Färbeprozesses und der Abwasserreinigung. Dies hat nichts mit den Bildern zu tun die ich ursprünglich dazu im Kopf hatte. Nun gilt es zu schauen, welche Verbesserungspotenziale genutzt werden können und wie diese finanzierbar sind. Ich jedenfalls werde ab jetzt immer die Anlage und die Menschen die dort arbeiten im Kopf haben, wenn ich ein farbiges T-Shirt anziehe.

Hier noch mehr Bilder in der Facebook Bildergalerie: http://on.fb.me/1g2jTLK

T-Shirt City – Fluch und Segen der Textilindustrie

IMG_2660Als Girish mich vom Flughafen abholt, fahren wir 40 Minuten von Coimbatore nach Tirupur auf einem Highway. An der Stadtgrenze, die keine ist, beginnen die Häuser größer zu werden. „Alles Textilfabriken“, sagt Girish. „Diese hier auch, und diese hier“, zeigt er auf vorbeiziehende Häuser. „Für solch große Fabriken wird es aber bald zu teuer sein hier. Für Massenproduktionen steigen die Löhne zu schnell.“

Alles in Tirupur hängt an den Textilien. Wer nicht mit Textilien sein Geld verdient, verdient sein Geld mit dem Menschen die mit Textilien ihr Geld verdienen. In dem er ihnen Häuser vermietet, Essen zubereitet oder deren Motoroller wartet.

Das ist Fluch und Segen zugleich. Vor 40 Jahren gab es hier vor allem Landwirtschaft. Dann fiel über Jahre kein Regen und es musste eine andere Beschäftigung her. Mit der Textilproduktion kam Arbeit zurück nach Tamil Nadu. Aber auch negative Extreme wurden sichtbar: Bunt gefärbtes Wasser in den Flüssen, überforderte Infrastruktur und  teilweise schlechte Bezahlung der Arbeiterinnen und Arbeiter.

Das Problem der Färbemittelabwässer hätte die Politik lösen müssen, tatsächlich haben es Richter getan: 2011 mussten alle Färbereien ohne angeschlossene Kläranlage schließen. Das Problem wurde aber nur verlagert: in angrenzenden Distrikten öffneten neue Färbereien bis sich die Politik zum Aufbau bzw. Unterstützung beim Bau von Kläranlagen durchrang. So hilft also Indien mit, das billige T-Shirts weniger Umweltschäden anrichten.

Loehne Tirupur

Die teilweise sehr niedrigen Löhne sind gestiegen, allein auf Grund der größeren Nachfrage nach Arbeitskräften. Näherinnen und Näher haben inzwischen eine sehr gute Verhandlungsposition und entscheiden welche Arbeit sie annehmen. So finden sich auch Arbeiter aus ganz Indien, vor allem aber aus den ärmeren, landwirtschaftlich geprägten Bundesstaaten in Tirupur.

Während der Mindestlohn in Tamil Nadu 140 INR (nach aktuellem Wechselkurs: 2,20 €) je 8-Stunden-Schicht beträgt sind in Tirupur viele Stellen für 250 IRN je 8-Stunden-Schicht ausgeschrieben. Bei Mila bezahlen wir 380 INR (also über das doppelte des gesetzlichen Mindestlohns). Das ergibt ca. 9500 INR (etwa 150 €) pro Monat und trifft damit den berechneten Asian Floor Wage für die Region.

Generell glaubt Girish daran, dass sich die Löhne in Tirupur so schnell nach oben schrauben, dass es in 5 Jahren nicht mehr möglich ist hier billige Massenproduktionen herzustellen. Schon heute wird das Gros der Billigware in Bangladesh produziert- wo auch große indische Firmen ihre Nähereien hin verlagerten. Viele Hersteller werden verschwinden oder sich Nischen suchen müssen.

IMG_5577„Unsere Näherei“ hat eine solche Nische gefunden: Fairtrade-Biobaumwolle in guter Qualität, hergestellt von Menschen die das bekommen was sie verdienen: Gutes Geld für gute Arbeit. Und wir haben Kunden die Wissen, warum sie bei uns gerne etwas mehr bezahlen.

Jetzt heisst es: diese Nische weiter zu vergrößern um mehr Menschen faire Löhne bezahlen zu können und noch mehr Baumwolle zu fairen Preisen von hart arbeitenden Bauern kaufen zu können.

European Conference on Living Wages in Berlin

podium

3FREUNDE als kleinste Brand unter den Großen. Action Plan finalisiert. Hoffen auf Action.

Vom 25. bis 25. November 2013 fand in Berlin die European Conference on Living Wages statt. Mit dabei: Stefan in einem gemeinsamen Workshop mit Clare vom Ethical Fashion Forum. Wer fehlte? Alle anderen Innovatoren, nachhaltigen Labels und vor allem die Produzenten. Rund 200 Vertreter von Firmen (u.a. Tchibo, H&M, Adidas, Puma, Patagonia, aber auch Deuter und Hess-Natur), NGOs wie F AIRTRADE International und International Labor Organisation, MSIs wie FairWearFoundation und Verbände wie ModInfo kamen auf Einladung der niederländischen und deutschen Regierung zusammen um existenzsichernde Löhne in den Produktionsbetrieben zu erreichen.

WorkshopIm Workshop von Stefan kristallisierte sich für zukünftige Maßnahmen heraus, dass viele CSR-Verantwortliche nicht radikal genug denken (dürfen), evtl. nicht den Rückhalt der Unternehmensführung haben.

Dennoch gab es auf der Konferenz erstaunliche Wortmeldungen. Der Vertreter von Tchibo forderte zum Ende hin einen konkreten Umsetzungsplan und insgesamt konnte man das Gefühl haben, dass die Leute schon vorwärts gehen wollen. Es bleibt abzuwarten, ob die Firmen da ihren anwesenden Vertretern folgen wollen.

Schade war, dass keine anderen Innovatoren da waren. Keiner (außer uns) konnte davon berichten, dass er tatsächlich schon „Living Wages“ für seine Näher bezahlt. Einen interessanten Ansatz schilderte Isabelle von Patagonia im persönlichen Gespräch: Patagonia zahlt für ihre anteilige Produktion Aufschläge um relativ einen Living Wage zu ermöglichen. Ein guter erster Schritt der weit über die Lippenbekenntnisse so mancher Firma hinaus geht.

actionplanAls Berichterstatter für „buyer and supplier practices“ formulierte Stefan zusammen mit Doug Miller, Jos Huber, Rossitza Krueger und Jef Wintermanns die Endfassung für den Action Plan. Dieser soll Grundlage für die beteiligten Firmen sein, Living Wages in ihrer Supply Chain einzuführen. Wer sich für den Action Plan interessiert, findet diesen unterhalb des Artikels.

Spannend ist vor allem zu sehen, wie es jetzt weitergeht. 3FREUNDE hat mit der Co-Gründung einer eigenen Näherei sicher den radikalsten Weg (und vermutlich auch den mühsamsten) eingeschlagen. Das der Weg richtig ist, zeigte auch die Konferenz: es herrschte Konsens, dass eine Fortentwicklung nur über Verbindlichkeit zwischen Brand und Produzent möglich sein wird. Jetzt heisst es also nur noch: Farbe bekennen und mit uns weitermachen!

Action Plan after conference 2013-11-26

Orissa. Staat des weißen Goldes. Pratima. Organisator der Fairtrade-Bauern.

Meine letzte Station in Indien war der Bundesstaat Orissa (oder auch Orisha geschrieben). Es hat mich fast zwei Tage gekostet um im Zentrum des Bundesstaates anzukommen. So abgelegen der Staat ist, so arm ist er auch. Und ja, das ist genau der Staat, der gerade von einem Zyklopen hart getroffen wurde.

Orissa also. Arm. Aber auch reich. Reich an Menschen.

Eine Vielzahl der Bewohner verlässt den Staat um Arbeit in anderen Bundesstaaten Indien zu finden. Zurück kommen sie allerhöchstens zur Erntezeit der Baumwolle. Diese beginnt im November und endet im April.Fünf Monate Arbeit also. Maximal. Wer zurückbleibt sind die Bauern.  Bei Pratima sind ca. 2000 Bauern organisiert. Diese bewirtschaften im Schnitt 1,5ha Land und ernähren damit direkt jeweils vier bis sechs Menschen.

Baumwolle ist ein sogenanntes Cash-Crop, eine Pflanze, die Geld bringt und nicht der direkten Ernährung dient.  Von den 1,5ha werden ca. die Hälfte der Fläche mit Lebensmitteln, in tiefer gelegenen Feldern vor allem Reis, bewirtschaftet. Die andere Hälfte wird in Fruchtfolge mit Baumwolle angebaut. Durch den Einsatz von Biobaumwolle hat der Bauer die Möglichkeit außer Baumwolle auch sogenannte Insurance-Crop anzubauen: in den Baumwollfeldern stehen nicht nur Baumwollpflanzen, sondern auch andere Geldbringer. So ist sichergestellt, dass im Falle eines Ertragsausfalls bei Baumwolle durch andere Pflanzen noch Geld erwirtschaftet werden kann.

Baumwolle also. Das Interessante an Orissa ist, dass der Staat (trotz viefältiger, bekannt gewordener, Bestechungen) den Einsatz von genmodifizierter Baumwolle verboten hat. Entgegen der Aussage von Michael von Shatki Knitting ist so also die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Biobaumwolle frei von GMO-Cotton ist. Der Hintergrund des Verbots ist einfach: für GMO-Cotton wird sehr viel Wasser und somit eine künstliche Bewässerung benötigt. Ganz Orissa ist aber auf Regenwasser eingestellt. Eine Umstellung hätte fatale Konsequenzen für den Grundwasserspiegel und die Erhaltung der Fruchtbarkeit der Böden.

Fairtrade. 2000 Bauern. Und die Frauen?

Pravakar erläutert, dass mangelnde Bildung ein großes Problem für die Entwicklung des ländlichen Raums darstellt. Nachdem Pratima festgestellt hat, dass in den meisten Familien die Frauen mehr Zeit auf den Feldern verbrachten als die Männer, setzen sie verstärkt auf die Frauen. Denn diese haben einen höheren Identifikationsgrad bzgl. Fairtrade, verstehen das Konzept von Biobaumwolle besser und sind insgesamt verlässlicher und verbindlicher.  Ich konnte bei meinem Besuch in zwei Dörfern diese Erfahrung machen: die Frauen stehen auf uns haben keine Scheu Forderungen zu stellen und für ihre Positionen aufzustehen. Versammlungsräume, höhere Baumwollpreise und bessere Lehrer stehen auf ihrer Agenda. Ein von mir besuchtes Dorf unter weiblicher Leitung hat sogar einen Fond eingerichtet in den Teile der Baumwolleinnahmen fließen um so Projekte von Einzelnen zu finanzieren. So entstand bspw. als zusätzliche Einnahmequelle eine Bananenplantage.

Es sind mutige Frauen, die sich dort einsetzen und Pravakar sagt, dass er sich mehr von ihnen wünschen würde, dass aber manche Dörfer noch komplett von Männern dominiert werden. Aber der Wandel zeichnet sich ab, sind die Bäuerinnen doch die erfolgreicheren. Der Vorteil von zertifizierter Fairtrade-Biobaumwolle für die Bauern vor Ort ist ja, dass diese einen Mindestpreis für die Baumwolle bekommen und so ein garantiertes Auskommen haben. Ist der Marktpreis höher als der Mindestpreis bekommen sie natürlich den höheren Preis ausgezahlt.  Zusätzlich bekommt die Gemeinschaft pro Kilogramm Rohbaumwolle 0,05€ als Fairtrade-Prämie. Mit dieser Prämie können Gemschaftsprojekte finanziert werden, welche von der Dorfgemeinschaft gemeinsam festgelegt werden müssen. In einem regenreichen Staat wie Orissa steht oft der Wunsch nach Gemeinschaftsräumen an oberster Stelle. Bei guten Erträgen und einem entsprechend guten Abverkauf der Baumwolle dauert es gut drei Jahre um über die Prämie eine einfache Unterkunft bauen zu können. Beim Bau wird dann darauf geachtet, dass die verwendeten Baumaterialien ebenfalls aus der Region kommen um das Geld möglichst in der Region zu behalten und so den Wohlstand zu mehren.

Während viele Näher ein eigenes Motorrad haben, ist dies bei den Bauern nicht denkbar. Sie erlösen im Schnitt 60000Rs (720€ zur Zeit) von der Baumwolle und können von den zusätzlich angebauten Lebensmitteln ihr Grundauskommen sichern. Große Budgetposten sind die medizinische Versorgung, die Vorbereitung der Äcker und sog. soziale Kosten: zahlreiche Hochzeiten, religiöse Feste etc. fordern hohe Beträge.

Pratima, Pravakar und die Bauern zeigen sich insgesamt glücklich mit dem System „Fairtrade“ und wünschen sich natürlich, möglichst viel Baumwolle als solche verkaufen zu können. Nur so ist eine nachhaltige und stabile Entwicklung der Region möglich. Und von den Fairtrade-Prämien profitieren auch die Dorfbewohner, die nicht Teil des Fairtrade-Systems sind.

Ich verlasse Dörfer mit viel positiver Energie. Und mit neuen Ideen. Wieso nicht T-Shirt-Editionen auflegen, die die Bauern schneller zu ihren Gemeinschaftshäusern kommen lässt? Was hältst Du davon?

Atom- und Dieselstrom im Bio-T-Shirt?

Maschine zur Fertigung von Single-Jersey-Baumwoll-Stoff

Vor einigen Wochen war es auch bei uns zu lesen: in Indien waren Teile der Bevölkerung ohne Strom. Solche großen Stromausfälle schaffen es in die internationale Presse, von den alltäglichen Problemen erfährt man aber nichts. So sind über die letzten 10 Monate tägliche Stromabschaltungen von bis zu 15 Stunden im Süden Indiens zur Normalität geworden.

Die Konsequenz daraus sind Arbeitsunterbrechungen bzw. der intensive Einsatz von Dieselgeneratoren für die Stromerzeugung. Denn auch die Produktion von Textilien braucht Strom. Viel Strom.

Jedoch naht Abhilfe: zwei neue Atomkraftwerke sollen bis nächstes Jahr ihren Betrieb aufnehmen (hier darf jetzt leichtes Frösteln einsetzen). Für die Bewohner Süd- und Mittelindiens ist dies eine gute Nachricht: endlich verlässlicheren Strom, endlich wieder Arbeit. Für die Bewohner in nächster Nähe des Atomkraftwerks, für viele NGOs und vermutlich auch für viele Leser dieses Blogs ist es aber eine schlechte Nachricht: passiert hier die nächste große Katastrophe? Wohin mit dem zusätzlichen Atommüll?

Hier beginnt dann das Dilemma von Informationen, die man besser nicht hätte: soll man es nun gut finden, wenn endlich die Dieselgeneratoren abgestellt sind, die Erzeugerkosten durch Atomstrom sinken und wieder Arbeit und Einkommen nach Südindien zurückkehren können? Oder sollte man besorgt sein und sich von Indien abwenden, weil es nun auch Atomkraft verwendet, die zwangsläufig auch für die Produktion von bio-fairen T-Shirts verwendet wird? Wie soll man sich positionieren?

Komplexe Fragestellungen rufen oftmals einfache Antworten hervor: Windkraftanlagen aufbauen (super fürs Marketing, aber unrealistisch für die gesamte Produktionskette), oder zurück nach Europa oder gar Deutschland- schließlich können wir dort regenerative Energie für die Näherei buchen. Das stimmt. Aber leider wird die weitaus meiste Energie nicht beim Nähen, sondern beim Spinnen der Baumwolle verbraucht (und den nachfolgenden Prozessen Stricken/Weben des Stoffs sowie Färben). Und diese industriellen Prozesse kann man eben nicht beeinflussen. Zumindest nicht, wenn man zu klein ist um eine eigene Spinnerei etc. auslasten zu können. Wie also weitermachen?

Für mich zeigt das Thema Strom sehr gut, dass in einem so komplexen Bereich wie der Textilproduktion nicht alles nach ökologischen Gesichtspunkten zu optimieren ist. In manchen Bereichen gelingt dies sehr gut. Ein Beispiel ist hier der konsequente Einsatz von Biobaumwolle (und dem nachfolgenden Färben und drucken mit GOTS-zertifizierten Farbstoffen). In Fragen der Energieversorgung oder auch des Transports bestehen hingegen Abhängigkeiten von regionalen Infrastrukturen auf die kleine und selbst größere Produzenten keinen Einfluss haben. Bei 3Freunde hinterfragen wir dennoch regelmäßig jeden Prozess-Schritt, ob Verbesserungen nicht doch möglich sind und wie man diese bestenfalls erreicht. In Indien lassen ja sehr viele Marken mit ökologischem Hintergrund ihre Ware produzieren. Eventuell gäbe es da ja Möglichkeiten über eine Zusammenarbeit und über die Bündelung der Aufträge hin zu einem Anbieter eine ökologischere, dezentrale Stromversorgung aufzubauen bzw. zu co-finanzieren. Eine Idee, an der man weiter arbeiten sollte.

Links zum Thema:

Atomkraft – Diskussionen in Tamil Nadu

Ausnahmegenehmigungen um Stromausfällen zu begegnen

Proteste gegen Stromausfälle

Dieser Artikel wurde erstmals im Blog Grüne Mode am 28.09.2012 auf www.kirstenbrodde.de veröffentlicht.

Anspruch und Wirklichkeit bei Transparenz und Fairness. Vergleich von Fairtrade und FairWear.

Fairer Handel hat viele Facetten und es gibt nur wenige Produkte, bei denen so viele Teilaspekte zu berücksichtigen sind, wie bei Baumwolle und den daraus produzierten Artikeln. Der Grund für die Vielschichtigkeit ist einfach: anders als bei Kaffee gibt es bei der Baumwolle eine Vielzahl von Wertschöpfungsstufen: von der Rohbaumwolle, über das Entkörnen und Spinnen bis hin zu Färben und Konfektion sind eine Vielzahl von Menschen eingebunden.

Die Fairtrade-Verfechter

Verschiedene NGO (Nichtregierungsorganisationen) haben sich zum Ziel gesetzt, die Produktion von Textilien fairer zu gestalten. Stichwörter sind hier Mindestpreise (Fairtrade Labeling Organisations FLO) und Living wage (Kampagne für saubere Kleidung/CleanClothesCampaign CCC). Leider setzen die genannten Organisationen an verschiedenen Punkten an, ohne die gesamte Kette zu betrachten. Weiterlesen

Indien. Textilien. Produktion. Living Wage. Fair Trade.

Auf der Suche nach einem möglichen Produktionsraum. Mit Notausgang!Ich muss ein wenig ausholen. Seit gut sechs Jahren produzieren wir T-Shirts und andere Oberbekleidung. In dieser Zeit haben wir einige Lernprozesse durchgemacht und verarbeiten seit 2010 ausschliesslich zertifizierte Fairtrade-Biobaumwolle für unsere 3FREUNDE-Produkte.

In all der Zeit kamen wir mit vielen anderen Labels, Designern, Verbänden und NGO ins Gespräch – und bei vielen zeigte sich der Wunsch auf eine sichere, vertrauenswürdige und funktionierende Wertstoffkette zurückgreifen zu können. Fairtrade sollte nicht bei den Nähereien aufhören (oder erst beginnen), sondern alle großen Stationen der Wertschöpfung umfassen.

Leider können aber kleine Labels (wie wir es auch noch immer sind), keine riesigen Stückzahlen pro Order abnehmen und so stossen wir, aber eben auch viele andere, immer wieder auf taube Ohren, wenn wir eine hohe Qualität in Verbindung mit geringer Stückzahl forderten.

Parallel zu unserer Umstellung auf Fairtrade-Biobaumwolle suchten wir deshalb einen kleinen Partner, der mit uns die Vision teilt, dass aus kleinen Orders und Labels einmal große Orders werden können- und dass man mit kleinen Stückzahlen durchaus auch (relativ kleines) Geld verdienen kann.

Nun, die Suche war bis Ende 2011 nicht erfolgreich.

Dies bewog uns, stärker in das Thema einzusteigen und einfach eine solche Firma (mit) zu gründen. Einfach so. Mit einem klaren Konzept, einer offenen Kommunikation und transparenten Entlohnungsmodellen.

Mittlerweile sind die Vorbereitungen weit gediehen. Wir werden eine Anschubfinanzierung leisten, ein neues Vertriebskonzept auf die Beine stellen und darüber hinaus unsere Ideen zum Fairen Handel einbringen (living wage vs. gesetzlicher Mindestlohn). Und natürlich stellen wir sicher, dass die Näherei GOTS (Global organic textile standard) und Fairtrade-zertifiziert wird.

Die operative Führung obliegt unseren indischen Partnern, schliesslich sind wir nicht die ganze Zeit vor Ort – und benötigen die Kapazität der Näherei auch nicht komplett.

Wer also mit dem Gedanken spielt, seine Kollektion auf Fairtrade-Biobaumwolle umzustellen, neu anzufangen oder einfach was Besonderes für seine Firma, seinen Verband oder Freundeskreis braucht, ist herzlich eingeladen sich bei uns zu melden!

Wir regeln alles weitere.

Stefan

Unser Mann in Indien

3FREUNDE Production Manager IndiaIm Gegensatz zu anderen Anbietern von in Indien produzierten T-Shirts haben wir vor Ort jemanden, der in ständigem Kontakt mit den Baumwollbauern, den Färbereien und den Nähereien steht: Girish G. Krishnan, unser Mann in Indien. Er führt für uns die Verhandlungen mit Lieferanten, prüft die Qualität der Ware und berichtet uns immer wieder über Aktuelles.

So können wir sofort auf Veränderungen vor Ort reagieren wie z.B. vor kurzem die längeren Wartezeiten in den Färbereien, als andere Färberein wegen Ignorieren von Umweltstandards schließen mussten (siehe Blogpost vom 11.03.2011). Durch unseren Kontaktmann sind wir immer aktuell informiert und erleben keine Überraschungen bei der Anlieferung der T-Shirts bei uns. Er hat viele Jahre Erfahrung in der Textilindustrie, worauf die besonderen Details unserer Shirts zurückzuführen sind wie etwa zweifache Nähte am Ärmel und Nackenbänder von Schulter zu Schulter, die das Shirt besser in Form halten.

Hinzu kommt, dass für viele Beschäftigte in der Textilbranche in Indien FairTrade und andere Siegel und Zertifikate ein notwendiges Übel sind. Wir sind froh, dass Girish genau wie wir alle bei 3FREUNDE hinter unserem Konzept (FairTrade, Biobaumwolle, klimaneutral) steht und uns so sehr gut in Indien repräsentiert.