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Fairtrade Conference und Fairtrade Award 2014 – groß und klein bewegen sich

FT Award 1

Berlin. Ellington Hotel. Es ist 19.00 und die Awards werden verliehen. Als der Bundesentwicklungsminister die Laudatio für die Zweitplatzierten hält, stelle ich irgendwann fest, dass er uns mit seinen Ausführungen nicht meinen kann. Der dritte Platz ist schon verkündet, also können wir nur gewonnen haben. Mein Puls rast trotzdem, als der Minister zum ersten Preis übergeht. Kurz darauf stehen wir auf der Bühne. Anke Engelke lädt Stefan quasi auf ihr Zimmer ein. Blumen. Photos. Später Tanzen.

Den ganzen Tag standen andere im Mittelpunkt. Große Handelskonzerne und Hersteller – wir sind ein sehr kleines Licht im Feuerwerk der Großen bei der International Fairtrade Conference. Es ist aber schön zu sehen, dass inzwischen auch große Marken wie Rewe und Ferrero wirkliche Veränderung betreiben und mehr zum Thema „Faire Arbeitsbedingungen“ in der Kakaoindustrie beitragen wollen.

Das ist auch dringend notwendig meint Dr. Auma Obama, die mit ihrer Stiftung „Sauti Kuu“ dazu beiträgt, dass junge Menschen in Kenia selbstbewusst in eine eigenständige Zukunft gehen können. „Aus Fairtrade muss Realtrade werden“, appelliert sie immer wieder. Es geht nicht um Almosen, sondern eine echte Änderung der Geschäftspraktiken.

Fairtrade Award Berlin 2014Fairtrade kann nur der Anfang sein, meint auch Harry Brouwer (CEO Unilever Deutschland): „It´s not about CSR, it´s about including this in your real business model.“ Gerade im Agrarbereich hätte die Bezahlung fairer Löhne und fairer Preise für die Erzeugnisse einen großen Einfluss. Dort erzielen sie eine gute Multiplikatorwirkung. „The power of agriculture is to fuel the local developement“, beschreibt Peter d’Angremond, der Geschäftsführer von Max Havelaar Niederlande.

Ein großer Starterfolg gab es für das Fairtrade Sourcing Partnership (FSP) beim Kakao. So wird Ferrero Deutschland in den kommenden drei Jahren 20.000 Tonnen Kakao aus dem Fairtrade System kaufen. Zur Einordnung: Das sind pro Jahr 10 % der bisher abgesetzten Fairtrade Kakao Menge.

Mein Eindruck von der gesamten Konferenz war, dass sich alle bewegen wollen, dies aber mit unterschiedlicher Intention und Geschwindigkeit.

Abends dann die Award-Verleihung im festlichen Rahmen. Etwa 300 geladene Gäste und auch einige Prominenz sind zugegen. Mit Musik des Hope Theater Nairobi ging es in den Saal und umgehend begrüßte uns Anke Engelke.

Gleich zu Beginn wurde die Kategorie, in der wir nominiert waren aufgerufen: Hersteller. Die Konkurrenz war stark: Bei allen Kennziffern sind Chocolat Halba, wie auch die Wertform AG sicher 100-mal so groß wie wir. Wir sind aber die einzigen die 100 % Produkte aus Fairtrade-Rohstoffen herstellen. Wie Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller in seiner Laudatio betonte war es gerade die erfolgreiche Umsetzung der Vision, welche die Jury beeindruckte. Damit belohnte die Jury unseren Willen, die Dinge grundsätzlich anzugehen und es dann auch umzusetzen. Das ist zumindest das, was ich, außer eines Schlafdefizits, von diesem Abend mitgenommen habe.

FT Award 2Mein Aufmerksamkeit für die anderen Kategorien war verständlicherweise ein wenig geringer, aber auch hier fanden sich tolle Preisträger: Herausgestochen hat für mich dabei das Engagement der Schokofair AG der Montessori Schule Düsseldorf. Der erste Preis in der Kategorie „Zivilgesellschaft“ lobt die Hartnäckigkeit, mit der die Schülerinnen und Schüler Missstände in der Kakao-Industrie anprangern und faire Alternativen hervorheben.

Es war schön in Berlin dabei gewesen zu sein. Dass wir dieses Erster-Platz-Frühstücksbrett dann auch noch mit nach Hause nehmen durften, setzt dem Allen natürlich die Krone auf.

Rapha

Wo jedes Shirt beginnt.

IMG_6055Der Weg zurück zum Ursprung unserer Lieferkette brachte mich die letzten Tage nach Titilagarh in den östlichen Bundesstaat Orissa. Hier produziert die Pratima Organic Grower Group die Fairtrade zertifizierte Biobaumwolle für die Shirts von 3FREUNDE.

Orissa ist ein landwirtschaftlich geprägter Bundesstaat in dem der wirtschaftliche Erfolg sehr vom Monsunregen abhängt. Baumwolle ist für die Bauern oftmals die einzige Geldeinnahmequelle, eine Cash Crop. Wenn der Monsum zu spät kommt, so ist das Wachstum der Baumwolle gefährdet und es bleibt nur der geringe Ertrag aus den Gemüsesorten die später angebaut werden. Dank dem Einsatz von Biobaumwolle ist wenigstens das möglich und eine klassische Fruchtfolge machbar. Auf Feldern mit Baumwolle im konventionellen Anbau wächst durch den Einsatz von Pestiziden nichts als Baumwolle.

Meine Reise startet mitten in der Nacht in Raipur, der nächst größeren Stadt, und führt mich nach 5 Stunden Autofahrt in ein kleines Dorf. Fast alle hier bauen Baumwolle an. Es gibt zwei Anbaugruppen in denen sich die Farmer gegenseitig unterstützen. Die eine besteht aus Frauen das Dorfes, die Andere aus Männern.

Wie Stefan im Bericht seiner Reise vom vergangenen Oktober schon beschrieben hat, sind es vor allem die Frauen die sich trauen zu sagen was sie benötigen. Sie brauchen dabei Unterstützung, dass sie nicht nur vom Regen abhängig sind. Wasser ist hier alles. Alles Gute und alles Schlechte. Im letzten Jahr fiel der Monsun spät, was einen geringeren Ertrag auf den Feldern zur Folge hatte.

IMG_5964Um die Baumwollbauern mit diesem Risiko nicht alleine zu lassen garantiert das Entkörnungsunternehmen Pratima Agro & Paper Pvt Ltd den Bauern die Abnahme der Baumwolle. Mein Begleiter Pati, der dort für die Betreuung der Kooperativen zuständig ist, sagt, dies sei ein wichtiger Schritt die Bauern darin zu bestärken, dass sie mit Fairtrade Biobaumwolle auf dem richtigen Weg sind. Nach ein paar Ernteausfällen kämen diese sonst auf die Idee, dass es vielleicht mit herkömmlicher Baumwolle und robustem Saatgut besser funktionieren könnte. Das kann kurzfristig der Fall sein, aber nach ein paar Jahren ist der Boden ausgelaugt und der Baumwollanbau nicht mehr möglich. Dann muss teurer Kunstdünger die Fruchtbarkeit wieder herstellen. „Es ist ein Weg in die Abhängigkeit und ins verderben“, wie Pati drastisch beschreibt.

Insgesamt wird an die Gemeinschaften der über 3500 Baumwollbäuerinnen und Baumwollbauern pro Jahr eine Fairtrade Prämie von fast 80.000 € ausbezahlt, dafür liefern sie aber auch 4400 Tonnen Baumwolle ins Fairtrade System. Die Anbaufläche dafür sind 45 km2, zum Vergleich: Die Stadt Konstanz hat eine Fläche von 55 km2. „Die Fairtrade Prämie fördert die wichtigste Ressource in dieser Region: den Zusammenhalt der Menschen.“ erklärt Pati. Zeichen dieser Prämien sind Versammlungs- und Lagergebäude, kleine Nähwerkstätten und zum Teil Gesundheitsstationen.

IMG_6075Die Bewohner des zweiten Dorfes das ich an diesem Tage besuche sind sehr stolz auf meinen Besuch. Sie sehen es als Anerkennung ihrer Arbeit, das sich Menschen vom anderen Ende der Welt für ihre Situation interessieren. Ich erzähle Ihnen, dass wir versuchen den Menschen in Europa klar zu machen, dass ihre Konsumentscheidungen Folgen haben. In diesem Fall positive Folgen für die Bauern in Jhikidunguri, dem Dorf in dem ich mich befinde.

Das erinnert mich an den Grund meines Besuchs und des Wirtschaftens von 3FREUNDE: Die globale Dimension der Textilindustrie aufzuzeigen und auf Augenhöhe durch Handel die Welt zum Positiven verändern. Ich erkläre ihnen, dass es ohne ihre Arbeit meine Arbeit nicht gäbe.

Es ist ein kleiner Schritt für dich ein T-Shirt aus Fairtrade zertifizierter Biobaumwolle zu kaufen, aber es kann die Welt für einen Baumwollbauern bedeuten.

Es ist schon unglaublich zu sehen, welchen Unterschied der Kauf eines T-Shirts aus zertifizierter Fairtrade-Biobaumwolle machen kann. Und wie sehr es mich doch wieder überrascht, wie viele Menschen in den Entstehungsprozess eines T-Shirts eingebunden sind.

Wir machen den Unterschied: für die Bauern, die Färber und Näher und vor allem auch die Umwelt.  Das macht mich stolz.

Orissa. Staat des weißen Goldes. Pratima. Organisator der Fairtrade-Bauern.

Meine letzte Station in Indien war der Bundesstaat Orissa (oder auch Orisha geschrieben). Es hat mich fast zwei Tage gekostet um im Zentrum des Bundesstaates anzukommen. So abgelegen der Staat ist, so arm ist er auch. Und ja, das ist genau der Staat, der gerade von einem Zyklopen hart getroffen wurde.

Orissa also. Arm. Aber auch reich. Reich an Menschen.

Eine Vielzahl der Bewohner verlässt den Staat um Arbeit in anderen Bundesstaaten Indien zu finden. Zurück kommen sie allerhöchstens zur Erntezeit der Baumwolle. Diese beginnt im November und endet im April.Fünf Monate Arbeit also. Maximal. Wer zurückbleibt sind die Bauern.  Bei Pratima sind ca. 2000 Bauern organisiert. Diese bewirtschaften im Schnitt 1,5ha Land und ernähren damit direkt jeweils vier bis sechs Menschen.

Baumwolle ist ein sogenanntes Cash-Crop, eine Pflanze, die Geld bringt und nicht der direkten Ernährung dient.  Von den 1,5ha werden ca. die Hälfte der Fläche mit Lebensmitteln, in tiefer gelegenen Feldern vor allem Reis, bewirtschaftet. Die andere Hälfte wird in Fruchtfolge mit Baumwolle angebaut. Durch den Einsatz von Biobaumwolle hat der Bauer die Möglichkeit außer Baumwolle auch sogenannte Insurance-Crop anzubauen: in den Baumwollfeldern stehen nicht nur Baumwollpflanzen, sondern auch andere Geldbringer. So ist sichergestellt, dass im Falle eines Ertragsausfalls bei Baumwolle durch andere Pflanzen noch Geld erwirtschaftet werden kann.

Baumwolle also. Das Interessante an Orissa ist, dass der Staat (trotz viefältiger, bekannt gewordener, Bestechungen) den Einsatz von genmodifizierter Baumwolle verboten hat. Entgegen der Aussage von Michael von Shatki Knitting ist so also die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Biobaumwolle frei von GMO-Cotton ist. Der Hintergrund des Verbots ist einfach: für GMO-Cotton wird sehr viel Wasser und somit eine künstliche Bewässerung benötigt. Ganz Orissa ist aber auf Regenwasser eingestellt. Eine Umstellung hätte fatale Konsequenzen für den Grundwasserspiegel und die Erhaltung der Fruchtbarkeit der Böden.

Fairtrade. 2000 Bauern. Und die Frauen?

Pravakar erläutert, dass mangelnde Bildung ein großes Problem für die Entwicklung des ländlichen Raums darstellt. Nachdem Pratima festgestellt hat, dass in den meisten Familien die Frauen mehr Zeit auf den Feldern verbrachten als die Männer, setzen sie verstärkt auf die Frauen. Denn diese haben einen höheren Identifikationsgrad bzgl. Fairtrade, verstehen das Konzept von Biobaumwolle besser und sind insgesamt verlässlicher und verbindlicher.  Ich konnte bei meinem Besuch in zwei Dörfern diese Erfahrung machen: die Frauen stehen auf uns haben keine Scheu Forderungen zu stellen und für ihre Positionen aufzustehen. Versammlungsräume, höhere Baumwollpreise und bessere Lehrer stehen auf ihrer Agenda. Ein von mir besuchtes Dorf unter weiblicher Leitung hat sogar einen Fond eingerichtet in den Teile der Baumwolleinnahmen fließen um so Projekte von Einzelnen zu finanzieren. So entstand bspw. als zusätzliche Einnahmequelle eine Bananenplantage.

Es sind mutige Frauen, die sich dort einsetzen und Pravakar sagt, dass er sich mehr von ihnen wünschen würde, dass aber manche Dörfer noch komplett von Männern dominiert werden. Aber der Wandel zeichnet sich ab, sind die Bäuerinnen doch die erfolgreicheren. Der Vorteil von zertifizierter Fairtrade-Biobaumwolle für die Bauern vor Ort ist ja, dass diese einen Mindestpreis für die Baumwolle bekommen und so ein garantiertes Auskommen haben. Ist der Marktpreis höher als der Mindestpreis bekommen sie natürlich den höheren Preis ausgezahlt.  Zusätzlich bekommt die Gemeinschaft pro Kilogramm Rohbaumwolle 0,05€ als Fairtrade-Prämie. Mit dieser Prämie können Gemschaftsprojekte finanziert werden, welche von der Dorfgemeinschaft gemeinsam festgelegt werden müssen. In einem regenreichen Staat wie Orissa steht oft der Wunsch nach Gemeinschaftsräumen an oberster Stelle. Bei guten Erträgen und einem entsprechend guten Abverkauf der Baumwolle dauert es gut drei Jahre um über die Prämie eine einfache Unterkunft bauen zu können. Beim Bau wird dann darauf geachtet, dass die verwendeten Baumaterialien ebenfalls aus der Region kommen um das Geld möglichst in der Region zu behalten und so den Wohlstand zu mehren.

Während viele Näher ein eigenes Motorrad haben, ist dies bei den Bauern nicht denkbar. Sie erlösen im Schnitt 60000Rs (720€ zur Zeit) von der Baumwolle und können von den zusätzlich angebauten Lebensmitteln ihr Grundauskommen sichern. Große Budgetposten sind die medizinische Versorgung, die Vorbereitung der Äcker und sog. soziale Kosten: zahlreiche Hochzeiten, religiöse Feste etc. fordern hohe Beträge.

Pratima, Pravakar und die Bauern zeigen sich insgesamt glücklich mit dem System „Fairtrade“ und wünschen sich natürlich, möglichst viel Baumwolle als solche verkaufen zu können. Nur so ist eine nachhaltige und stabile Entwicklung der Region möglich. Und von den Fairtrade-Prämien profitieren auch die Dorfbewohner, die nicht Teil des Fairtrade-Systems sind.

Ich verlasse Dörfer mit viel positiver Energie. Und mit neuen Ideen. Wieso nicht T-Shirt-Editionen auflegen, die die Bauern schneller zu ihren Gemeinschaftshäusern kommen lässt? Was hältst Du davon?

Es wird bunt – Kindershirts von 3FREUNDE

Vor ein paar Monaten haben wir gefragt welche Farben unsere Kindershirts haben sollten. Da wir in unserer Näherei in Indien eine große Auswahl an Stoffen und damit Farben haben, wollten wir herausfinden, was ihr, also die potenziellen Käufer, haben wollt. Das Ergebnis ist eindeutig vielseitig.

Klar war von Anfang an, dass wir Grundfarben brauchen um etwa für Vereine und Aktionen Shirtfarben haben die für alle Schnitte und Größen verfügbar sind. Wir haben uns für die neutralen Farben weiß und grau entschieden. Zusätzlich dazu wollten wir zwei weitere Farben als Grundstock aufnehmen. Wir hielten es für eine gute Idee dazu euch zu befragen. Insgesamt haben 130 Personen bei der Befragung mitgemacht. Spannend ist die recht gute Repräsentation der verschiedenen Altersgruppen. Während 11 % der Teilnehmenden angaben zwischen 18 und 24 Jahren alt zu sein, waren 40 % zwischen 25 und 34 Jahren und 33 % zwischen 35 und 44 Jahre alt. Dies repräsentiert unsere angenommene Käuferschicht recht gut. 57 % der Teilnehmenden gaben an eigene Kinder zu haben. 21 % haben schon einmal bei 3FREUNDE gekauft.

Die spannendste Frage ist allerdings: Welche Farben sollten es sein? Wir fragten nach den beiden weiteren Farben die gewünscht sind. Für die Auswertung haben wir die Antworten der Farben gleichberechtigt ausgewertet und kommen zu einem klaren Ergebnis. Addiert wollten 61 Befragte grasgrün als weitere Farbe. Aber dann wurde es kompliziert. Es folgten mit großen Abstand orange mit 35 Stimmen, purple mit 31 Stimmen, sonnenblumengelb mit 30 Stimmen, himmelblau und türkis mit 29 Stimmen. Was also tun bei einem solchen Ergebnis?

Wir haben uns entschieden die riskantere, aber kundenorientiere Variante zu wählen. Deswegen wird es die Kindershirts nicht wie geplant in 4 Farben, sondern in insgesamt 8 Farben geben: Weiß, grau, grasgrün, orange, purple, sonnenblumengelb, himmelblau und türkis.

Derzeit sind die Shirts in Produktion und werden in drei Wochen bei uns eintreffen. Da wir für die Kindershirts eine spezielle Druckpalette für unseren Digitaldrucker konfigurieren müssen wird es die 3FREUNDE Kindershirts zum August diesen Jahres zu kaufen geben.

Wir freuen uns darauf und hoffen ihr tut es auch.

Verführung Freiheit: Fairer Handel trifft Kultur

Derzeit läuft im Deutschen Historischen Museum in Berlin die Ausstellung „Verführung Freiheit – Kunst in Europa seit 1945“ mit Werken zum Thema von 113 Künstlern aus 28 Ländern.

Zusammen mit dem Deutschen Historischen Museum werden wir von 3FREUNDE zur Finissage am Sonntag den 10.Februar eine Siebdruck Aktion mit einem Motiv des Rumänischen Künstlers Dan Perjovschi, welches auch in der Ausstellung zu sehen ist, durchführen. Der Erlös der Aktion kommt Amnesty International zu gute.

Das Motiv „CAPiTAL – iSM“ als Kritik an der zügellosen Macht des Kapitals und der Preisdiktatur passt dabei natürlich sehr gut zu unserem Konzept des Fairen Handels mit einem Gewinn für alle Menschen.

Wir freuen uns für eine solche Aktion Shirts zur Verfügung zu stellen und Fairtrade zertifizierte Produkte zum Teil eines kulturellen Happenings zu machen.

Hier mehr Infos zur Ausstellung und zur Finissage auf der Facebookseite des DHM.

Wer aktuelle zur Aktion auf dem Laufenden gehalten werden will folgt @3freunde oder @DHMFreiheit bei Twitter.

3FREUNDE Fairtrade Code

In einer globalisierten Welt ist es schwer den Weg der eigenen Waren nachzuvollziehen. Einige Produkte sind besser regionalisierbar als andere. Bestimmtes Gemüse zum Beispiel wächst hier auf Feldern und ich kann beim Bauer meines Vertrauens mit gutem Gewissen lokale Produkte kaufen. Schwieriger wird dies bei Produkten die als Rohstoffe oder fertig importiert werden. Wer kann nachvollziehen woher die Einzelteile seines Handys stammen?

Baumwollprodukte sind da irgendwo in der Mitte. Die Zahl der Zutaten ist übersichtlich, die Menge an Produktionsstätten ebenfalls. Jedoch findet zumindest der Baumwollanbau, meist auch die Fertigung nicht in Sichtweite statt.

Wir wollen unser Wissen über die Produktionskette öffentlich zugänglich machen und haben sie deshalb zusammen mit Fairtrade Deutschland aufbereitet. Den Fairtrade Code gibt es als Projekt schon länger, neu ist aber in unserem Fall der Tiefgang. Bei Rosen reicht es aus zu wissen wo sie angebaut worden sind. Bei Kaffee kommt man recht weit, wenn man die Anbaukooperative und den Handelspartner in Deutschland kennt. Bis Rohbaumwolle zu einem T-Shirt wird sind aber mehrere Zwischenschritte notwendig: spinnen, stricken, färben, nähen und drucken.

Wir haben eine lückenlose Dokumentation unserer Produktionskette im Weg unserer Shirts aufgezeigt. Wichtig war uns aber auch nicht mehr zu versprechen als wir halten können: Unsere Shirts bestehen aus Fairtrade zertifizierter Biobaumwolle. Das bedeutet, dass für die Rohbaumwolle ein Mindestpreis und eine Fairtrade Prämie bezahlt wird. Für alles was danach passiert gibt es keine Fairtradezulagen, es gelten lediglich grundlegende Sozialkriterien welche durch andere Zertifikate nachgewiesen werden müssen. Deshalb sind diese Produktionsschritte im Fairtrade Code mit einem anderen Symbol gekennzeichnet.

Der Fairtradecode ist auf der Seite www.fairtrade-code.de erreichbar. Die Shirts tragen die Nummer 24309001, die Hoodies haben den Code mit der Nummer 24309002. Ab der nächsten Produktion wird der Fairtrade Code als QR Tag direkt von jedem Shirt aus erreichbar sein.

Die Produktseiten gibt es für die Shirts und für die Hoodies.

Wenn ihr Fragen oder Anregungen zum Fairtrade Code, den einzelnen Informationen oder der Produktionskette habt, schreibt gerne eine Mail an info@3freunde.com oder fragt über unsere Facebookseite www.facebook.com/3freunde

Immer schön bei den Fakten bleiben! – Wie die Christliche Initiative Romero falsche Fakten zur Fair Wear Foundation verteilt.

Auf Grund einer Nachfrage zur Aussagekraft einer Mitgliedschaft eines Unternehmens in der Fair Wear Foundation (FWF) habe ich diese Woche dazu recherchiert. Eigentlich ist diese Geschichte zusammengefasst schnell erzählt: Die Mitglieder der Fair Wear Foundation lassen Kontrolleure in ihre Fabriken, diese sagen was schief läuft und die Produzenten legen einen Plan vor, wie in den folgenden Jahre die Bedingungen verbessert werden sollen. Eine Absichtserklärung besser zu werden also. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Auffallend ist aber, wie die FWF zum nonplusultra im Bereich der Fairen Mode hochgejubelt wird. So zum Beispiel von der Christlichen Initiative Romero (CIR). Diese ist keineswegs unabhängig, sondern als deutscher Träger der Kampagne für Saubere Kleidung über die internationale Clean Clothes Campaign sogar im governing body der Fair Wear Foundation, dem Aufsichtsrat sozusagen. Die Christliche Initiative Romero macht die Anprangerarbeit und verkauft die Fair Wear Foundation als Ausweg aus dem PR Desaster für die Hersteller. Das kann man so machen, dann aber mit richtigen Fakten. Leider stimmen diese nicht, wie ein kleiner Blick auf die Website der CI Romero zeigt.

Dazu habe ich nun der CI Romero eine Mail geschrieben und um die Berichtigung der Falschinfomationen gebeten.

Sehr geehrte Frau XXX,
[…] Es geht um nicht korrekte Informationen und vor allem die Klärung der Kommentare der CIR zur FWF und zum Fairtrade certified Cotton Siegel auf Ihrer Website www.ci-romero.de.
Zitat: Siegel und Standards: Fair Wear Foundation (http://www.ci-romero.de/gruenemode-guetesiegel-fwf/) [Gütesiegel und FWF in einem Link ist nach wie vor Verbrauchertäuschung]

„Kommentar CIR
Die FWF berücksichtigt die gesamte Produktionskette inkl. Auftragnehmer, Subunternehmner, Lieferanten und Lizenznehmer der Konfektionierung. Die FWF arbeitet bei der Verifizierung eng mit lokalen Organisationen zusammen und schließt die Einkaufspraktiken der Unternehmen mit ein. Durch die Veröffentlichung umfangreicher Daten (s.o.) wird Transparenz angestrebt. Die FWF weist damit die höchsten sozialen Standards auf und gilt hier als Best Practice Beispiel Nummer 1 im Bereich Soziales.“

Es ist unwahr, dass die FWF die gesamte Produktionskette berücksichtigt. Lediglich die Verarbeitung wird berücksichtigt, also vom Stricken bis zur CMT. Unter Lieferanten fällt auch der Textillieferant und dieser wird bei der FWF nicht berücksichtigt. Dies wird hier jedoch suggeriert.

Besonders der letzte Satz ist schlichtweg falsch. So gilt zum Beispiel eine Mitgliedschaft eines Unternehmens bei der FWF als ein möglicher Nachweis der ILO Kernarbeitsnormen in der Produktion bei der Zertifizierung der Fairtrade certified Cotton. Siehe Baumwollbroschüre von Fairtrade Deutschland, Seite 13. Bei Fairtrade certified Cotton kommen zusätzlich noch die Faire Entlohnung der Arbeitskräfte im Baumwollanbau plus die Fairtrade Prämie für Lieferanten hinzu. (ebenda Seite 12.)

Zitat: Siegel und Standards: Fairtrade Certified Cotton http://www.ci-romero.de/gruenemode-guetesiegel-fairtrade/

„Kommentar CIR
Fairtrade Certified Cotton garantiert faire Arbeitsbedingungen und langfristige Handelsbeziehungen in der Baumwollproduktion und fördert den Umstieg auf biologischen Anbau. Die Einbindung lokaler Akteure in den Zertifizierungsprozess ist zu begrüßen. Das Siegel deckt jedoch nur die Überprüfung fairer Arbeitsbedingungen in der Baumwollproduktion ab, nicht aber die Bedingungen bei der weiteren Verarbeitung der Baumwolle. Das kann bei KonsumentInnen zu Verwirrung führen, da häufig angenommen wird, dass alle Produktionsschritte überprüft wurden.“

Die beiden letzten Sätze sind falsch. Die Zertifizierung für Fairtrade Certified Cotton schließt eine (wenn auch nur sehr grundlegende) Überprüfung der Einhaltung der Kernarbeitsnormen aller Arbeitsschritte mit ein. (Siehe Baumwollbroschüre von Fairtrade Deutschland), Seite 12.

Zitat daraus:

„In den Fairtrade-Standards für Baumwolle wird ein Nachweis über die Einhaltung der IL O-Kernarbeitsnormen verlangt. Das gilt für alle Schritte der Weiterverarbeitung wie Entkernung der Baumwolle, Spinnen, Färben, Stricken, Weben, Konfektionieren.“

Damit geht das Fairtrade certified Cotton Siegel bei den Sozialstandards im Baumwollbereich über eine Mitgliedschaft eines Unternehmens bei der Fair Wear Foundation hinaus.

Meine Bitte hieraus folgend ist, dass Sie die von Ihnen bereitgestellten Informationen berichtigen und bei der Fair Wear Foundation die zusätzliche Information einfügen, dass eine Mitgliedschaft in der Fair Wear Foundation nur die Überprüfung fairer Arbeitsbedingungen in der Konfektionierung abdeckt, nicht aber die Bedingungen bei Herstellung der Baumwolle, in welcher der Großteil der ArbeiterInnen beschäftigt ist. Das kann bei KonsumentInnen zu Verwirrung führen, da häufig angenommen wird, dass alle Produktionsschritte überprüft wurden.

Darüber hinaus würde ein Disclaimer mit der Information, dass die CIR über die Kampagne für Saubere Kleidung und damit die Clean Clothes Campaign im governing body der Fair Wear Foundation sitzt ihren eigenen Transparenzansprüchen gut tun. Info auf der FairWear Seite.

Diese Mail wird gleichlautend als Blogpost auf blog.3freunde.com veröffentlicht.

Vielen Dank für Ihre Mühen.

Raphael Breyer

 

Edit (29.10. 11:50 Uhr): Immerhin bekam ich gleich eine Antwort, es werde gerade alles überarbeitet. Die neuen Infos werden gerade gedruckt und im November auch auf der Seite veröffentlicht. Ich hoffe es stimmt dann alles.